Avengers 2 von fast 200 deutschen Kinos boykottiert

Auf über 600 Leinwänden in knapp 200 deutschen Kleinstädten wird Age of Ultron wegen Disneys hochgeschraubter Leihgebühr nicht zu sehen sein.

Avengers 2 von fast 200 deutschen Kinos boykottiert



Avangers: Zeitalter des Ultron wird von 193 deutschen Kleinstädten boykottiert und von 686 Leinwänden ausgeschlossen, seit der Disney-Film dort am 23. Das Verbot gilt in Städten mit weniger als 50.000 Einwohnern, mit Grund für Disneys überhöhte Mietgebühr, die von 47,7 auf 53 Prozent aller Ticketverkäufe gestiegen ist. Kinobesitzer behaupten, dies sei ein völliger Schock gewesen.



Neben der aufgebockten Leihgebühr hat Disney die bisher in die Werbung investierten Gelder gekürzt und die Vorschüsse für 3D-Brillen gestrichen. Andreas Kramer vom Hauptverband Deutscher Filmtheater erklärte:



'Mit diesen Bedingungen an die Branche heranzutreten ist völlig ungewöhnlich und für mich ein Skandal.'

Der Hauptprotest kommt aus Norddeutschland, wo die I.G. Nord fungiert als Interessenvertretung. Sprecher Karl-Heinz Meier erklärte:



„Wir machen uns Sorgen – vor allem um Ostdeutschland. Wenn die Preise steigen, dann haben wir ein ernsthaftes Problem, das Kinos zur Schließung zwingen könnte. Im Norden protestierten 100 Kinos. Aber jetzt glauben alle an uns. Sie erstreckt sich von Rendsburg bis Oberbayern, vom Rheinland bis Thüringen – quer durch das ganze Land. Alle schließen sich zusammen und zeigen den Film nicht.

Da sich der Boykott auf ganz Deutschland erstreckt, zeigen auch die Stadttheater moralische Unterstützung. Allerdings sind die großen Kinoketten an höhere Mietpreise gewöhnt und können das Verbot aufgrund vertraglicher Regelungen nicht vollumfänglich mittragen. In den letzten Jahren standen die kleineren deutschen Theater vor einigen Herausforderungen, darunter „große Investitionen in moderne Marketingstrategien, steigende Gemeinkosten, die Kosten für die Modernisierung der Theater, steigende Personalkosten aufgrund des neu eingeführten deutschen Mindestlohns und die Umstellung auf digitale Technologie '. Diese Dinge haben es kleineren unabhängigen Theatern schwer gemacht, Schritt zu halten, und viele stehen vor der Schließung.



Filmvertriebsunternehmen sparen jetzt Milliarden von Euro mit neuer digitaler Projektionstechnologie, die die Herstellung physischer Kopien auf ihrer Seite überflüssig macht. Aber im Gegenzug mussten kleinere Kinos Milliarden von Dollar investieren, um mit der neuen Technologie Schritt zu halten, die alle aus ihrer Tasche kommen. Filmverleihfirmen haben nichts getan, um zu den Kosten der Modernisierung von Kinos beizutragen. Während die Bundesregierung mit öffentlichen Mitteln dazu beigetragen hat, die Theater am Leben zu erhalten, wirken die neuen Auflagen von Disney dem entgegen. Das sagt Andreas Kramer:

„Die öffentlich geförderten Kinos werden mit 5,3 Prozent höheren Mietpreisen an die Wand gedrängt. Und damit ist das Geld der Steuerzahler in Form nachhaltiger Kulturförderung in Gefahr.“

In der Vergangenheit waren die Mietpreise unterschiedlich. Die Kinos würden sich in zwei Gruppen aufteilen, diejenigen, die die großen Filme uraufgeführt haben, und diejenigen, die sie Wochen nach ihrer Premiere gezeigt haben. Die moderne Technologie macht diesen Prozess nun obsolet. Derzeit sind die Mietpreise für Filme nicht reguliert, und Disney darf seine Gebühren anpassen, um die Gewinne zu steigern. Andere Distributoren haben ihre Gebühren nicht erhöht und warten ab, wie sich das alles entwickelt. Wenn Disney sich behaupten kann, werden wahrscheinlich auch andere Studios mit überhöhten Mietgebühren voranschreiten. Kinobesitzer sind zuversichtlich, dass Disney vor allem mit einlenken wird Star Wars: Das Erwachen der Macht auf dem Weg. Das sagt Karl-Heinz Meier:



„Der neue Star Wars-Film kommt Ende des Jahres heraus. Disney kümmert sich um den Vertrieb – es könnte interessant werden.“

Zu diesem Zeitpunkt hat sich Disney geweigert, sich zu dem Boykott zu äußern. Sagte Walt Disney Studios Motion Pictures Deutschland in einer Erklärung:

'Es widerspricht unserer Firmenpolitik, vertrauliche Details unserer Geschäftsbeziehungen öffentlich zu kommentieren.'